Die dunkle Seite unseres Belohnungssystems

Unser Belohnungssystem ist ein kleines verzweigtes Netz aus Hirnarealen, in denen der höchste Dopaminwert entsteht. Dieses Netz wird aktiv, wenn wir Reize wahrnehmen, die uns mit Freude erfüllen, wie Schokolade zu essen, Anerkennung erhalten, shoppen gehen und vieles mehr. Selbst die einfache Vorstellung schöner Dinge kann es aktivieren.

 

Dopamin kann uns sehr antreiben und motivieren. Gleichzeitig verleitet und verführt es uns auch. Hier befinden wir uns dann im Bereich der Verlockungen, Ablenkungen und Impulshingabe. Aber wenn es uns verleitet einen Nachtisch zu bestellen oder den Kreditrahmen auszuschöpfen, kann man es per se kaum als »böse« bezeichnen.

 

Stress durch Begierde

 

Die primäre Aufgabe unseres Belohnungssystems ist uns nach Glück streben zu lassen und nicht uns glücklich zu machen. Das ist insofern ein erwähnenswerter Unterschied, weil das Dopaminstreben gerne ein wenig Druck ausübt, auch wenn uns das kurzfristig unglücklich anfühlt. Bildhaft ausgedrückt setzt unser Belohnungssystem Zuckerbrot und Peitsche ein, um uns beim Streben nach Glücksmomenten zu anzutreiben und zu motivieren.

 

Das Zuckerbrot ist natürlich die erwartete Belohnung - das Belohnungsversprechen. Hierbei kommunizieren Dopamin ausschüttende Neuronen mit den Hirnbereichen, die das erforderliche Verhalten und die notwendigen Handlungen planen. Wenn diese Bereiche ausreichend mit Dopamin durchströmt sind, entsteht ein unwiderstehliches Verlangen und wir rennen los. Gleichzeitig sendet das Belohnungssystem eine Botschaft an das Stresszentrum und sorgt für Ausschüttung von Kortisol (Stresshormon), als die sprichwörtliche Peitsche um unserer Vorfreude etwas sehr Dringliches zu suggerieren. Und plötzlich, fühlt sich unser Bedürfnis, unbedingt das zu bekommen was wir wollen, wie eine Sache auf Leben und Tod an.

 

Wenn die Aktivität dann ein Ende gefunden hat, schließt sich dieser »Schaltkreis« des Belohnungssystems mit dem Gefühl von Befriedigung. An diesem Punkt angekommen erscheint das Serotonin, welches in Zusammenhang mit unserem Gemütszustand und dem Verlangen steht, dieses Gefühl immer wieder zu erfahren zu wollen. Dank diesem Gefühl von Befriedigung möchten wir, wenn in unserem Gehirn das Signal entsteht, das diesen Wunsch auslöst, diese Handlungen gerne wiederholen. Ein Teufelskreis.

 

TIPP: Die meisten von uns achten viel zu sehr auf das versprochene Wohlgefühl als auf das begleitende Unbehagen, das die von Dopamin angetriebene Begierde begleitet. Achten Sie deshalb künftig besser darauf, ob ein Wunsch oder ein Verlangen Stress oder Angst auslöst. Wenn Sie wirklich in sich hineinhorchen können, welche Empfindungen ein Belohnungsversprechen auslöst, können Sie am ehesten kluge Entscheidungen treffen, ob und wie Sie sich künftig belohnen werden.

 

Herzlichst

 

Michael Langheinrich