Warum wir schwach werden, wenn wir uns schlecht fühlen.

Sich besser fühlen zu wollen ist ein gesunder Überlebensmechanismus, der ebenso Teil unserer Natur ist, wie der Instinkt, Gefahren zu meiden oder davor zu fliehen. Aber was müssen wir tun um uns besser zu fühlen, wenn es uns schlecht geht? Die meisten Menschen greifen auf das so genannte »Belohnungsversprechen« zurück.

 

Und hier liegt genau die Falle, denn die häufigsten Strategien zur Stressbewältigung sind jene, die im Gehirn das Belohnungssystem aktivieren: Essen, Trinken, Shoppen, Fernsehen, Internet-Surfen, Computerspiele oder einfach auf dem Smart-Phone rumdaddeln. Das Dopamin verspricht uns, dass wir uns danach besser fühlen werden. 

 

Deshalb ist es mehr als logisch und natürlich, dass wir uns dem größten angenommenen Dopamin-Auslöser zuwenden, wenn wir ein Tief hinter uns lasen wollen.

 

Gleichzeitig bedeutet ein Belohnungsversprechen nicht, dass wir uns tatsächlich gut oder besser fühlen werden. Wenn wir zum Beispiel Schokolade in uns reinstopfen, weil wir gestresst, deprimiert oder ängstlich sind, dann ist doch oftmals die einzige verlässliche Stimmungsveränderung, die sich im Nachgang einstellt, die Zunahme von Schuldgefühlen.

 

Aber unser Gehirn ist besonders anfällig für solche Versuchungen und Exzesse, wenn wir uns schlecht fühlen. Und dieses Verlangen ist nichts weiter als ein Teil einer »Rettungsmission« des Gehirns. Wenn Gefahr eine Kampf-oder-Flucht Reaktion auslöst, ermöglicht uns eine derartige Handlung den Schutz vor dieser Gefahr. Doch unser Gehirn kümmert sich nicht nur um  unsere körperliche Unversehrtheit; es möchte auch unser Gemüt schützen. Bei Stress, wird es deshalb immer versuchen, uns auf etwas hinzulenken, von dem es annimmt, dass es uns glücklich macht.

 

Wenn wir nun aber diesen Teufelskreis durchbrechen wollen, so müssen wir dieses Verhalten, also das stressbedingte Scheitern unserer Willenskraft, vermeiden und lernen Wohlbefinden auf eine Weise zu erzeugen, die nichts mehr mit Versuchung und Verlockung zu tun hat. Wir müssen dazu die Selbstregulationsstrategien wie Schuldgefühle und Selbstkritik aufgeben, die in solchen Situationen unser Befinden noch schlimmer machen.

 

Es gibt gut funktionierende Strategien zur Stresslinderung, die das Wohlbefinden steigern. Die wirkungsvollsten sind: Sport in Form von Training oder Spiel, Spazierengehen oder Wandern, Lesen, Musikhören, Meditieren, Yoga oder ein kreatives Hobby. Die am wenigsten wirkungsvollen Strategien sind: Glücksspiel, Shoppen, Rauchen, Trinken, Naschen, Computerspiele, Internet-Surfen und langes Fernsehen.

 

Herzlichst

 

Michael Langheinrich

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