Warum Pausen so wichtig sind

Jeder Organismus, jeder Muskel der trainiert wird, braucht Zeit für Ruhe und Erholung. Dieses Prinzip der körperlichen Aktivität gilt auch für die geistige Leistungsfähigkeit.

 

Auch unsere Willenskraft ist keine Energie, die einfach und permanent vorhanden ist, sondern Willenskraft besteht in hohem Maße darin, den eigenen Zielplänen entsprechend auf Verlockungen und Reize unserer Umwelt zu reagieren, seine Abläufe zu strukturieren und vor allem seine Emotionen sowie Lust- und auch Unlustgefühle bewusst und aktiv zu regulieren.

 

Willenskraft ist kein automatisierter Prozess, wir können daher nicht erwarten, permanent willensstark, ausdauernd und entschlossen zu sein. Wir können nicht den ganzen Tag über Wochen hinweg ausdauernd und auf hohem Niveau präsent sein. Unser Körper und vor allem auch unser Gehirn benötigen Gelegenheiten, um sich zu entspannen und zu erholen.

 

Kurz: Wer viel leisten will, braucht Pausen um die Batterien wieder aufzuladen. Vielen Menschen fehlt es schlichtweg an Schlaf und regelmäßigen Pausen. Besonders Erwachsene bringen sich regelmäßig aus unterschiedlichen Gründen um ihren Schlaf. Das Ergebnis ist immer eine verringerte Selbstkontrolle und damit weniger Willenskraft. Es hat sich herausgestellt, dass Schlafmangel die Verarbeitung von Glukose beeinträchtigt, was sich wiederum unmittelbar auf die mögliche, maximal erzielbare Selbstdisziplin auswirkt. Schlafentzug hat direkte negative Auswirkungen auf Geist und Körper. Die meisten Menschen glauben, dass Schlafentzug nur den Körper schwächt, doch diese Annahme ist ein fataler Irrtum. Schlafentzug kann ihre Willenskraft komplett zerstören. Unter Geheimdiensten ist dieser Zusammenhang wohl bekannt und Schlafentzug wird gezielt eingesetzt, um Menschen willenlos und auskunftsbereit zu machen.

 

Ein Mensch, der mehrere Tage am Schlafen gehindert wird, ist irgendwann bereit auch das letzte Geheimnis preiszugeben und wird jede gewünschte Aussage willenlos unterschreiben, solange nur die Aussicht auf Schlaf gegeben wird. Schlafmangel schwächt alle geistigen Prozesse, insbesondere unsere Möglichkeiten zur Selbstkontrolle sowie bewusste Denkprozesse wie die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen oder ein Für-und-Wieder abzuwägen. Das Erstbeste was Sie daher machen können um Ihre Willenskraft, aber auch ihre geistige Leistungsfähigkeit insgesamt zu steigern ist, genug Zeit zum Schlafen und für Pausen jeden Tag einzuplanen. Wir müssen uns die Zeit nehmen, um uns wieder aufzuladen und uns zu erholen. Gerade leistungsorientierte Menschen denken aber oft, sie können auch 16 Stunden am Tag arbeiten. Richtiger wäre wohl zu sagen, dass wir es aushalten können, Spitzenleistungen dürfen wir bei solchen Belastungsszenarien nicht erwarten.

 

Dennoch sieht die Realität vieler Menschen so aus, dass das Leben ihnen bestimmte Dinge vorgibt. Es gibt auch zahlreiche gesellschaftliche Normen, die uns in eine Richtung prägen, die nicht wirklich gut für uns ist. So lange ich denken, kann gilt die Maxime »Wer nur hart genug arbeitet, hat automatisch auch Erfolg«. Dieses Leitbild des Handelns vermitteln Schulen, Politik und Unternehmen gleichermaßen. Es wird einfach nicht hinterfragt. Heute weiß ich, dass diese Maxime falsch ist. Denn die Folgen von Überlastung und Selbstausbeutung sind klar: Es kommt zur Selbsterschöpfung, Überarbeitung und irgendwann lassen wir demotiviert alles fallen. Sich selbst hart ranzunehmen oder hart zu arbeiten, ist nicht alles. Vielmehr brauchen Menschen für eine gesunde Lebensführung und der Befähigung zu großer Willenskraft einen gut aufeinander abgestimmten Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung. Zwischen Training und Ruhephase. Nach Phasen der Anstrengung müssen Sie Ihrem Körper und Ihrem Geist Zeit geben, sich zu erholen. Nur dann sind Sie langfristig willensstark, belastbar und haben Spaß an einer Sache.

 

Und dabei meine ich nicht ein wochenlanges, hartes Arbeiten und dann einen mehrwöchigen Urlaub. Vielmehr sollten Sie sich über den Tag hinweg verteilt kleine Pausen schaffen, die Sie nutzen, um möglichst große Erholung zu erlangen. Denn alles was wir tun verbraucht Energie. Arbeiten, Lesen, Reden, Schreiben oder allgemein Üben und Trainieren verbraucht viel Energie und fordert unser Gehirn. Darum lässt auch typischerweise die Konzentrationsfähigkeit nach einer gewissen Zeit nach und sie fühlen sich müde. Sie können nun zwar mit Koffein ihren Kopf wieder stimulieren, doch eine erneute Stimulation hat nicht dieselbe Wirkung wie eine echte Pause. Wenn Sie sich müde fühlen, dann sollten Sie diese Botschaft ihres Gehirns zulassen und physiologisch richtig bewerten. Ihr Denkmuskel braucht eine Pause, soll er nicht verkrampfen wie ein Beinmuskel bei sportlicher Überlastung.

 

Kann man aber bei überdurchschnittlicher Belastbarkeit oder gutem Trainingszustand nicht einfach auf Pausen verzichten? Nein! Denn wer sich über längere Zeit zu viel Leistung abverlangt, riskiert die Symptome der sogenannten Überbelastung. Diese können beispielsweise Abgeschlagenheit, Konzentrationsmangel, Stress, Infekte oder starke Leistungseinbußen sein. Ein Zuviel hilft daher wenig. Ganz im Gegenteil. Untersuchungen von Medizinern zeigen zudem, dass der früher bei den Menschen durchaus übliche Mittagsschlaf von einer halben Stunde ein hochwirksames Mittel ist, um wieder volle Leistungsfähigkeit zu entwickeln. Denn beim kurzen Schlaf oder Dösen entspannt sich das Gehirn besonders gut. Aus diesem Grunde gibt es heute schon Firmen, die für Ihre Angestellten entsprechende Ruheräume bereithalten und ganz offensiv zu andernorts stigmatisierten »Büroschlaf« auffordern.

 

Deshalb sind richtig gesetzte Unterbrechungen und Pausen wichtig. Wenn Ihre Leistungsfähigkeit spürbar nachlässt  unterbrechen Sie. Gehen Sie Luft schnappen, spazieren oder ruhen Sie sich für eine halbe Stunde aus. Tun Sie, was immer Ihnen gut tut. Wenn es mit Bewegung und Sauerstoffaufnahme verbunden ist, umso besser, dann tun Sie auch Gutes für Ihre körperliche Fitness. 

 

Herzlichst

 

Michael Langheinrich

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