Was wir über NLP wissen müssen.

Nichts. Ich hatte eigentlich vor, dieses eine Wort dort einfach so stehen zu lassen. Als Mensch, der berufsbedingt versucht auf  andere Menschen Einfluss zu nehmen, habe ich mich aber dann doch entschlossen näher auf NLP einzugehen. Man weiß nie, ob nicht doch da wo Neuro draufsteht, ist am Ende ja vielleicht doch Neuro drin.

 

Also stellte ich mir bezüglich des Neurolinguistisches Programmieren drei Fragen:


 

1. Was ist NLP?

 

Fragt man einen vom NLP Überzeugten, so erhält man meist Antworten wie "NLP vermittelt hochwirksame Kommunikationstechniken" oder auch "NLP ist ein bedeutsames Konzept für Kommunikation und Veränderung" sowie "NLP ist exzellente Kommunikation" und andere Sätze, die einen Superlativ enthalten.

 

Die Wahl des Namens NLP leiten die Erfinder des NLP überraschenderweise von ihren Berufen ab: Grinder ist Linguist (daher das L für "-linguistisch" in NLP), Bandler ist Psychologe (daher das N für "Neuro-") und Mathematiker (daher das P für "Programmierung"). Sie bedienten sich dabei einer an formale Sprachen und die generative Transformationsgrammatik angelehnten Ausdrucksweise, die den Anschein von wissenschaftlicher Fundierung und technischer Exaktheit vermitteln soll. Ihre Ideen wurden nachfolgend von unzähligen Autoren aufgegriffen und variiert und in Büchern, Seminaren und Workshops unters Volk gebracht.

 

2. Wie solide ist die theoretische Fundierung?

 

Das NLP macht einige Annahmen über die Funktionsweise des menschlichen Gehirns und der Psyche. Ein Verfahren, auch wenn es nur ein Werkzeugkasten ist, sollte ein solide Basis besitzen.
 Die theoretische Fundierung der NLP-Techniken ist jedoch ausgesprochen dünn. Viele Aussagen sind in hochtrabende Worte verpackte Plattitüden: "Geist und Körper sind Teile des gleichen kybernetischen Systems und beeinflussen sich wechselseitig". Zentral für das NLP sind Spekulationen über die Funktionsweise des Gehirns. Insbesondere beziehen sich NLP-Anwender gelegentlich auf veraltete Vorstellungen zur Hemisphären-Asymmetrie, der unterschiedlichen Funktion der beiden Gehirnhälften. Vor diesem Hintergrund ist auch die so genannte Augenbewegungshypothese zu sehen. Nach Auffassung des NLP lassen sich aus der Richtung, in die eine Person beim Denken blickt, Rückschlüsse auf ihren Denkstil ziehen. Wie bitte...!? Ebenso wird vereinzelt angenommen, dass man umgekehrt durch die Änderung der Blickrichtung die Art zu denken beeinflussen kann. Diese Annahmen wurde mittlerweile auf verschiedenste Weise geprüft und können als eindeutig widerlegt gelten: Es gibt einfach keinen Zusammenhang zwischen der Blickrichtung und der Art zu denken, weder im Sinne der NLP-Annahmen noch sonst. Das so genannte Ankern ist eine der bekanntesten NLP- Techniken. Dabei lässt der Anwender den Klienten sich auf sein Problem konzentrieren und "ankert" es dann, indem er dem Klienten beispielsweise mit der Hand leicht die linke Schulter drückt. Nun soll sich der Klient vorstellen, dass er alle zur Lösung seines Problems nötigen Fähigkeiten besitzt, und der Anwender drückt ihm jetzt beispielsweise die rechte Schulter. Zuletzt drückt der Anwender beide Schultern des Klienten, wodurch das Problem "integriert" wird. Zur Erklärung dieses Vorgangs wird auf die Forschung zu den bedingten Reaktionen verwiesen. Tatsächlich aber ist ein solcher Mechanismus nicht denkbar. Auch im Bereich der Lernpsychologie widersprechen die Annahmen des NLP also längst bekannten wissenschaftlichen Erkenntnissen. (Quelle: GWUP - Dr. Christoph Bördlein)

 

3. Sind die Techniken wirklich so effektiv wie behauptet wird?

 

Ein Großteil der Äußerungen von NLP-Anhängern ist Werbung für das eigene Verfahren. Wenn diese nicht zu belegen sind, erscheint mir dies zumindest unseriös.Die meisten Anwender des NLP sind nach meiner Erfahrung an der theoretischen Grundlegung des Verfahrens nicht interessiert und verweisen auf die überragenden Erfolge, die sich mit NLP erzielen ließen. Jedoch liegt für das Verfahren bislang kein Nachweis der Wirksamkeit vor. Zwar gibt es zahlreiche Studien, doch diese erbringen entweder für das NLP ernüchternde Ergebnisse - die "Wirkung" von NLP ist vergleichbar mit der von "Einfach abwarten" - oder aber die Studien sind voller methodischer Mängel. Es gibt bislang keine Studie, auf die beides zutreffen würde: Die Einhaltung wissenschaftlicher Spielregeln (z.B. Verwendung von Kontrollgruppen) und ein positives Resultat. Dies gilt sowohl für verschiedene Formen der "Neurolinguistischen Psychotherapie" als auch für einzelne Techniken.

 

Hinzu kommt, dass viele der allgemeinen NLP-Programme zum Teil mit reißerischer Werbung und esoterischen Lehren kombiniert werden, was nicht nur den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit ausschließe, sondern auch zu einer Vermischung mit offensichtlich pseudowissenschaftlichen Lehren führe. NLP-Befürworter weisen jedoch darauf hin, dass dies nur einzelne Anbieter betrifft, die keinesfalls repräsentativ genannt werden könnten, weshalb dies nicht eine allgemeine Kritik an NLP rechtfertige. Jedoch genau aus diesem Grund ist meiner Meinung die Trennung zwischen esoterischen und nichtesoterischen NLP-Programmen für den Ratsuchenden kaum möglich, weil die Grenzen hier schwimmend sind. (Quelle: GWUP - Dr. Christoph Bördlein)

 

Mein Fazit

 

NLP erscheint für mich eher, wie ein Beglückungssystem für Unglückliche, das sich pseudowissenschaftlicher Methoden bedient. Es scheint deswegen so gut zu gedeihen, weil es eben viele Menschen gibt, die mit sich selbst und ihrem Leben unzufrieden sind und die Gründe dafür in sich selbst suchen. Unter uns: Bei diesen Sinnsuchern ist das ja auch meist die richtige Annahme. Aus diesen geistigen Kalibern werden Sektenmitglieder rekrutiert. NLP setzt dabei völlig unrealistische Ziele wie Reichtum, Glück, Zufriedenheit, Harmonie vor unrealistischen Szenarien und suggeriert, mit bestimmten "Denkmustern" - die man über eine Art "Mantra" abruft - könne man sich selbst "gesundbeten", die Welt verändern, andere Menschen beeinflussen - mit der Kraft der Gedanken quasi die Welt bewegen. Mit anderen Worten: Ich denke mir mein leeres Bankkonto einfach weg. Und wenn ich das dann mit NLP tue - schwupps - ist es wieder voll. Das ist aber verdammt unrealistisch, weil ich mein ganzes Geld bereits in einem wirkungslosen NLP-Kurs verzockt habe.

 

Konfrontiert man NLP-Befürworter mit den Ergebnissen kontrollierter Studien oder auch nur mit dem gesunden Menschenverstand, so ziehen sie sich gerne auf eine rein subjektive Ebene zurück: Man müsse einfach selbst erleben, dass es funktioniert. Und in der Tat können NLP-Anwender auf erfolgreiche Interventionen verweisen. Wie kann man diese erlebten Erfolge erklären? Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Anhänger des NLP wird nur, bei dem es funktioniert hat. Diejenigen, die von NLP enttäuscht sind, werden keine Werber für das Verfahren. Zum anderen ist bereits jede Beschäftigung mit einem Problem auf der Meta-Ebene ein Schritt in die richtige Richtung: Wer sein Problem in den Begriffen des NLP beschreibt, distanziert sich davon und kann es nun objektiver betrachten. NLP liefert gewissermaßen nur den austauschbaren Rahmen, in dem die Beschäftigung mit dem Problem stattfindet. Das Besondere am NLP ist für mich die Selbstüberschätzung auf Seiten vieler Ausbilder und Anwender.

 

Originalzitat aus einem NLP-Buch: "Durch eine kleine Tabelle mit Sprachmustern nach Milton kann man Menschen fast hypnotisieren. Wenn Sie es schaffen, eine tolle Zukunft zu erschaffen, wird Ihr Gehirn Ihnen dabei helfen, Ihre Handlungsmuster und Ihr Verhalten darauf auszurichten und schneller zum Ziel zu kommen. Wenn du immer tust, was du immer schon immer getan hast, wirst du immer bekommen, was du schon immer bekommen hast." (Jetzt reichst aber!)

 

Anzumerken bleibt noch, dass es in Deutschland NLP-Trainer gibt, die sich seit 20 oder 30 Jahren praktisch andauernd mit NLP befassen. Was solche Menschen mit dem Begriff NLP verbinden, unterscheidet sich natürlich von dem, was jemand nach einem Wochenseminar damit verbindet.

 

Herzlichst

 

Michael Langheinrich

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